Der Rheinpfalz-Artikel vom 08.12.2025 zur Ortskernsanierung: Einordnung aus Sicht der Betroffenen

Veröffentlicht am 18. Januar 2026 um 11:31

Am 08. Dezember 2025 ist in der Rheinpfalz ein Artikel zur Ortskernsanierung Haßloch erschienen. Damit wurde das Thema erstmals seit längerer Zeit wieder öffentlich aufgegriffen – was grundsätzlich zu begrüßen ist. Die Sanierung betrifft viele Eigentümerinnen und Eigentümer, und jede Form von öffentlicher Aufmerksamkeit ist besser als anhaltendes Schweigen.

👉 Rheinpfalz-Artikel vom 08.12.2025 - Bezahlinhalt

 

Gleichzeitig bleibt festzuhalten: Der Artikel bildet nur einen Teil der tatsächlichen Problemlage ab und ersetzt weder eine transparente Gesamtaufarbeitung noch die notwendige Einordnung der offenen Fragen.

Was der Artikel korrekt widerspiegelt

Der Artikel gibt das Stimmungsbild vieler Betroffener in Teilen zutreffend wieder. Insbesondere wird deutlich, dass der Umgang der Gemeinde mit den Eigentümerinnen und Eigentümern von vielen als problematisch empfunden wurde. Auch der Ton einzelner Aussagen – etwa der Hinweis, man müsse „Druck aufbauen“, um Entscheidungen herbeizuführen – wird im Kommentar kritisch eingeordnet.

Diese Aspekte sind wichtig, weil sie zeigen, dass es nicht nur um juristische Details geht, sondern auch um Kommunikation, Haltung und Vertrauen zwischen Verwaltung und Bürgerschaft.

Fristen: Schriftlich kurz, individuell verlängert – aber nie transparent geregelt

 

Ein zentraler Punkt, der im Artikel nur am Rande vorkommt, betrifft die Fristsetzung zur Unterzeichnung der Ablöseverträge.

Formal – also schriftlich – wurde den Betroffenen eine Frist von 14 Kalendertagen gesetzt. Diese Frist war für viele objektiv zu kurz, um die komplexe Sachlage zu prüfen, Unterlagen zu verstehen oder fachlichen Rat einzuholen.

Zwar wurden Fristen in einzelnen Fällen individuell verlängert, teilweise auch deutlich. Diese Verlängerungen erfolgten jedoch:

  • ausschließlich im persönlichen Austausch,

  • ohne öffentliche oder schriftliche Dokumentation,

  • ohne einheitliche Regelung für alle Betroffenen,

  • ohne transparente Kommunikation nach außen.

Aus Sicht der Betroffenen führt dieses Vorgehen zu zwei grundlegenden Problemen:

  1. Ungleichbehandlung, da nicht alle denselben Informations- und Entscheidungsrahmen hatten.

  2. Rechtsunsicherheit, da letztlich nur das schriftlich Fixierte maßgeblich ist – nicht informelle Absprachen.

Transparente Verwaltung bedeutet, solche Punkte offen, nachvollziehbar und für alle gleich zu regeln.

Zinsfreiheit und „Gleichbehandlung“ – eine unbelegte Argumentation

 

Im Artikel wird seitens der Gemeinde sinngemäß argumentiert, eine zinsfreie Lösung sei aus Gründen der Gleichbehandlung nicht vertretbar. Diese Aussage bleibt jedoch unbegründet.

Aus Sicht der Betroffenen stellen sich hierzu zentrale Fragen:

  • Warum soll Gleichbehandlung bedeuten, alle gleichermaßen zu belasten – und nicht, alle gleichermaßen fair zu behandeln?

  • Warum wird nicht nachvollziehbar erläutert, weshalb eine zinsfreie Stundung grundsätzlich ausgeschlossen sein soll, obwohl vergleichbare Kommunen andere Wege gewählt haben?

Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wirken solche Aussagen ausweichend und wenig überzeugend.

Antworten der Gemeinde liegen inzwischen vor

Inzwischen hat die Gemeinde auf das von den Betroffenen eingereichte Fragenpapier reagiert. Die Antworten liegen vor.

Eine sachliche Einordnung dieser Antworten erfolgt in einem gesonderten Beitrag auf dieser Website:

👉 Antworten der Gemeinde Haßloch auf das Fragenpapier – erste Einordnung

Denn Transparenz entsteht nicht allein dadurch, dass Antworten existieren, sondern dadurch, dass diese überprüfbar, verständlich und in den Gesamtzusammenhang eingeordnet werden.

Einordnung

Der Rheinpfalz-Artikel vom 08.12.2025 ist ein erster Schritt, das Thema wieder öffentlich sichtbar zu machen. Er ersetzt jedoch keine umfassende Auseinandersetzung mit den strukturellen Problemen des Verfahrens, den offenen Fragen zur Bewertung, zur Verfahrensdauer und zum Umgang mit den Betroffenen.

Die eigentliche Aufarbeitung beginnt dort, wo Aussagen begründet, Entscheidungen erklärt und Verantwortung übernommen wird. Genau dazu soll diese Website weiterhin beitragen.